Mobbing 2.0
Mobbing 2.0
Überall, wo das Netz als kommunikativer Raum dient, wird auch gemobbt: Gerade bei sozialen Netzen laufen Dinge, die normalerweise justiziabel wären. Jetzt wollen die Branchengrößen YouTube, MySpace und Facebook dem Treiben einen Riegel vorschieben - mit Filtern und Meldeverfahren.
Mobbing ist ohne Frage kein neues Phänomen. Mit der Verbreitung von Internet und Handy wird aber das systematische Belästigen, Bloßstellen und Fertigmachen nun auch in den „virtuellen Raum“ verlagert. Nichtmehr nur bei Jugendlichen, sondern auch in vielen Firmen. Cyber-Mobbing folgt nicht nur eigenen „Spielregeln“, sondern ist für Menschen, die wenig Erfahrung mit Internet und Handy besitzen, ein kaum sichtbares und daher unbekanntes Thema.
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Der spektakuläre Fall eines 13-jährigen Teenagers, der mit makabren Cyber-Mobbing via MySpace in den Selbstmord getrieben wurde, machte in diesem Jahr weltweit Schlagzeilen. Normalerweise aber ist Mobbing in Cyberia kein Stoff für Presseberichte - es ist leider Alltag.
Wo beginnt Cybermobbing?
Das beginnt mit der Veröffentlichung anstößiger Fotos, Tratsch, Hetze und Gerüchten und endet bei YouTube-Videos, in denen Mobbing-Opfer mit vollem Namen der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Diesen unerwünschten Nebenwirkungen der Social-Networks wollen die Branchengrößen MySpace, Facebook und YouTube nun zu Leibe rücken.
Wer ist betroffen?
- Kinder und Jugendliche welche in der Schule schon mal gemobbt wurden,
- Lehrer, derer Pädagogische Kompetenz von den Schülern nicht immer überblickt wird,
- Arbeitnehmer, die auch schon im Büro oder am Arbeitsplatz Differenzen haben
- Freunde, die im Streit auseinander gehen.
Wie kann ich mich schützen?
Oft beginnt Dies schon bei einen selbst, denn man sollte nicht jeden gleich als Freund akzeptieren. Mittlerweile kann man ja viele verschiedene Freundes-, Mitarbeiter-, oder Familiengruppen anlegen, um nicht alles für alle sichtbar zu machen.
Auch Personen die die nichts damit zu tun haben sind verpflichtet solches Verhalten zu melden. Hierzu gibt es auch ein Gesetz - Stichwort „unterlassene Hilfeleistung“. Sehr hilfreich ist auch ein selbstbewusstes Auftreten, was jeder lernen kann.
Was ist die Aufgabe der Eltern?
Eltern müssen Ihre Kinder aufklären, dass Verhalten, welches dem Persönlichkeitsrecht anderer, schadet strafbar ist. Denn Kinder ab 7 Jahren müssen sich schon selbst vor Gericht verantworten.
Kann ich einer Person ansehen dass sie gemobbt wird?
In vielen Fällen lässt sich diese Frage mit „ja“ beantworten. Für Unbeteiligte ist es zwar meist schwer es direkt zu erkennen, doch anhand der Folgen könnte man schon Rückschlüsse ziehen.
Gesundheitliche Folgen:
Die Gesundheit wird durch Konflikt- und Mobbingsituationen beeinträchtigt.
Symptome kurz nach Beginn der ersten Konflikt- und Mobbinghandlungen
Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magenprobleme, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit
nach einem 1/2 bis 1 Jahr
Störungen des seelischen Gleichgewichts als Stressfolge (PTSD=Posttraumatische Stresssymptome)
nach 1 bis 2 Jahren
Allgemeine Angstzustände
nach 2 bis 4 Jahren
andauernde psychosomatische Symptome, die Angstzustände und psychischen Spannungssyndrome werden chronisch
nach 4 Jahren
Depressionen, Angstzustände oder zwanghaftes Verhalten, Tabletten- oder Alkoholabhängigkeit, starke Suizidgefahr
Was machen die Betreiber der Seiten?
Facebook setzt dabei bisher auf ein Meldeverfahren - den etablierten Mindeststandard, der es Mitgliedern ermöglicht das Unternehmen über kompromittierende oder anstößige Inhalte zu informieren. Auch kann man Fan! von Kampanien werden, die solch ein Verhalten verfolgen oder bekämpfen.
Solche Melde-Buttons aber werde man künftig auf allen drei Seiten prominent platziert sehen. MySpace geht sogar noch weiter: Mit Hilfe von Filtertechnik wollen die Betreiber Beschimpfungen und den Gebrauch diffamierender Sprache künftig schon aufspüren, bevor solche Inhalte von Nutzern gemeldet werden.
YouTube kommt ohne die Hilfe seiner Nutzer nicht aus, will nun aber vermehrt auch gegen Videoinhalte vorgehen, die nicht unbedingt direkt diffamierend[1] gegen eine bestimmte Person gerichtet sind, sondern anstößige Inhalte zeigen. Genannt wird hier beispielhaft die "wachsende Zahl von Videos, die Kinder in Gewalt-Kontexten zeigen" - möglicherweise eine Reaktion auf ein kürzlich Schlagzeilen produzierendes Video, in dem ein Mann ein Baby unverantwortlich herumschwingt. Die Meldefunktion ist künftig an ein "Abuse und Safety Center" gekoppelt, das Meldemöglichkeiten für solche Fälle bereithält.
Gibt es Gesetze gegen Cyber-Bullying[2] /-Mobbing?
In Deutschland gibt es kein spezielles Gesetz gegen Cybermobbing. Wohl aber Gesetze, die die Rechte der Bürger schützen und auch Fälle von Mobbing betreffen.
Aber auch ohne eigenes Gesetz ist niemand den Gemeinheiten von Cybermobbern schutzlos ausgeliefert. Wer glaubt, im Internet könne man machen, was man wolle, der irrt sich. Die Gesetze, die im echten Leben gelten, gelten selbstverständlich auch für das virtuelle Leben: Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachrede, Drohung, Erpressung, Nötigung und jede Verletzung des Persönlichkeitsrechts können verfolgt und geahndet werden.
Fazit:
Meist ist den Tätern nicht bewusst, dass der Weg vom Internet ins Gefängnis viel kürzer ist, als der von der Haustüre dorthin. Jeder Kommentar, so wie jede andere Onlineaktion wird von den Seiten mehrfach protokolliert. Es sind auch für jede noch so kleine „Schandtat“ tausende von Zeugen am Bildschirm die im Falle eines Falles immer parat stehen – auch wenn Dies den meisten nicht bewusst ist.
Cyberbullying / Cybermobbing ist nicht immer gleich ein Thema für die Juristen und noch seltener eines für die Polizei. Selbst wenn die Quälerei so schwerwiegend ist, dass juristische Gegenmittel angebracht sind, gibt es daneben noch viele nicht-juristische und oft effizientere Maßnahmen und Hilfsangebote. Falls das aber alles nichts nützt, ist es allemal besser, den juristischen Weg zu wählen, als klein bei zu geben oder mit gleichen Methoden zurückzuschlagen.
Auge um Auge hinterlässt nur Blinde, lautet ein berühmtes Sprichwort.
Kevin Landgraf
IT-Administrator u.
Datenschutzbeauftragter
Brunner Bäcker