Neue Backstube: Der Teig ist angerührt
Bäckerei Brunner investiert sieben Millionen Euro im Gewerbegebiet Nord – Produktion läuft weiter
Weiden. (wd) Gerhard Brunner ist Bäckermeister durch und durch. Am Donnerstag startete der geschäftsführende Gesellschafter der Bäckerei Brunner das wohl größte Projekt in der 51-jährigen Firmengeschichte: die sieben Millionen teure Erweiterung der Backstube. Ein sorgfältig vorbereiteter großer Wurf. Bei der Vorstellung spricht er auch über die neue „Kinderstube“ für den Sauerteig, der durch die Hefe lebt und 25 Stunden zu hüten ist.
Das Projekt ist sorgfältig geplant. Mit Architekt Stefan Kunnert (SHL-Architekten) nahm er sich zwei Jahre Zeit für die Vorbereitung. Sie holten sich das aktuellste Know-how, reisten nicht nur durch Deutschland, sondern auch zu den führenden Betrieben nach Österreich und in die Schweiz. „Wir wollen natürlich unseren gesamten Betrieb updaten“, kündigt Gerhard Brunner an.
120 Mann in der Backstube
Die Produktionsabläufe („sehr viel Handarbeit“) in den drei Bereichen Brot-, Semmel- und Feinbäckerei gleichen einem komplizierten Puzzle. Von der Teigherstellung, Bearbeitung und Portionierung über das Backen bis hin zum Verteilen muss ein Arbeitsschritt in den nächsten greifen, damit am frühen Morgen die 120 Mitarbeiter in der Backstube die wartenden Lkw mit über 200 verschiedenen Leckereien beladen können. Auf 16 Touren werden die 100 Filialen zwischen Schwarzenbach an der Saale, Bayreuth und Regensburg beliefert. Eine logistische Meisterleistung.
„Die Arbeitsabläufe wurden genau seziert, damit gleichsam die Operation am offenen Herzen gelingt“, meint Architekt Kunnert. Während der umfangreichen Erweiterung und Modernisierung läuft nämlich die Produktion weiter. Die Geschossfläche verdoppelt sich von 3272 auf 6825 Quadratmeter. Verhältnismäßig einfach ist der erste Schritt: Entlang der Westfront entsteht ein breiter Anbau, in den im März 2010 die Feinbäckerei umzieht. Damit ist Platz, um die alte Feinbäckerei abzubrechen und die Lücke zwischen Neu- und Altbau (aus dem Jahr 1972) zu schließen. Die Weidener Firma Ketonia liefert die Fertigteile. Hygiene ist auch in der Bauphase oberste Pflicht: „Wir brauchen zum Beispiel hochsterile Wände, die nur für ein paar Wochen für den Umbau Bestand haben.“
Neue Verwaltung und Café
Im Spätsommer 2010 steht die Produktion auf neuen Beinen. Es fehlt aber noch ein weiterer Schritt: Entlang der Georg-Stöckel-Straße erhält die Brunner-Bäckerei ihr modernes Gesicht. Markant ist der dreigeschossige Trakt für die Verwaltung, der im Erdgeschoss ein Café sowie Schulungsräume aufnimmt. An 18 Toren können die Laster an die Produktion andocken und die Waren unmittelbar aus der Backstube laden.
Die bauliche Erweiterung von bisher 3272 auf 5176 Quadratmeter Grundfläche ist das eine. Wesentlich wichtiger ist für Gerhard Brunner, dass das Unternehmen „auf die Zukunft ausgerichtet“ werde. „Wir wollen weiter gesund wachsen.“ Die Backstube bilde dabei das Rückgrat. „Wir backen mit Leidenschaft“, versichert Brunner, der zwar „unheimlich viel“ in materialschonende Bäckereimaschinen, intelligentes Energiemanagement usw. investiert, zugleich aber unterstreicht, dass die Handarbeit in der Backstube wieder stark an Bedeutung gewinne.
(Quelle: Der Neue Tag, Ausgabe Sa., 24. / So., 25. Oktober 2009, Nummer 245, Seite 17)
